Ich erzähle hier von einem Jungen. Der hat einen besonderen Namen: Lukas Löffel. Eigentlich ist das ein netter Name. Doch Lukas Löffel ärgerte sich auch manchmal über ihn; nämlich: wenn er von Kindern gehänselt wurde. Die riefen manchmal: „Hallo, Suppenlöffel! Wie geht’s dem anderen Besteck, der Gabel und dem Messer?“
Zum Glück waren nicht alle Kinder so doof und ärgerten ihn. Manche nannten ihn freundlich „Luki“. Und das fand Lukas Löffel echt gut.
Auch sein Vater nannte ihn meist „Luki“. Nur beim Schimpfen sagte er immer „Lukas“. Doch der Vater schimpfte nicht oft. Das konnte er gar nicht. Denn er war selten zu Hause. Immer hieß es: „Vati ist auf Arbeit. Doch dort sorgt er auch für dich.“
Lukas hatte eine liebe Mutti. Die kümmerte sich um fast alles. Doch weil Mutti immer da war, merkte das Lukas gar nicht so.
Bei seinem Vati war das anders. Weil er oft weg war, merkte man gleich, wenn er einmal was Gutes für Lukas tat. Und dann war Vati der beste Mensch von der ganzen Welt.
Lukas machte sich oft Gedanken, wie er seinen Vati für sich erobern könnte. Er überlegte, was er tun könnte, damit Vati ihn noch mehr beachtete. Und so überlegte er sich, wie er sich die Liebe des Vaters verdienen könnte.
Einmal pflückte Lukas einen ganz dicken Blumenstrauß. Er füllte auch selbst ein Glas mit Wasser. Nun konnten die Blumen Wasser trinken und den Vati erfreuen. Doch der Vater bemerkte beim Abendbrot gar nicht, dass sein Platz so schön von Lukas geschmückt war. Und als Lukas fragte: „Gefällt dir der Blumenstrauß?“, sagte der Vati nur: „Ja, ja.“ – Lukas war enttäuscht.
Bei anderer Gelegenheit malte Lukas ein Bild für seinen Vati. Eine ganze Stunde lang saß er dran. Viermal musste er beim Malen den blauen Stift neu anspitzen, weil der Himmel so groß war. Doch der Vati bemerkte gar nicht, dass auf dem Blatt Papier ein schönes Bild gemalt war und machte beim Telefonieren sich Notizen, mitten in den Himmel hinein.
Lukas war ratlos. Und er fragte sich: „Was muss ich tun, damit Vati mich lieb hat und immer nur ’Luki’ nennt?“ - Ihm fiel nichts ein.
Da sprach er abends beim Zubettgehen mit seiner Mutti, klagte sein Leid. Zum Glück verstand die Mutti gleich, was Lukas wollte, nämlich: Er wollte sich die Liebe von seinem Vati verdienen.
„Das brauchst du gar nicht!“, sagte ihm seine Mutti. „Dein Blumenstrauß war wirklich schön. Und dein Bild mit dem großen blauen Himmel war auch gelungen. Doch: Vati liebt dich, einfach weil du da bist und in seiner Familie lebst. Du bist und bleibst sein bester Luki, selbst wenn er auf Arbeit ist und du ihn nicht siehst. Seine Liebe zu dir trägt er überall in seinem Herzen mit sich herum. Also: Pflückt ruhig wieder einmal für Vati einen Blumenstrauß und male ihm schöne Bilder. Doch nicht, um seine Liebe zu verdienen, sondern um ihm deine Liebe zu zeigen.“
Dankbar zu erlebende Herbstwochen wünscht allen Leserinnen und Lesern:
Dr. Klaus Michael Führer, Superintendent