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Treffen sich zwei Studenten, einer ist adlig, der andere Stipendiat. „Meine Familie kann ihren Stammbaum bis auf Friedrich Barbarossa zurückverfolgen“, prahlt der eine. Der andere kontert: „Unsere Unterlagen sind bei der Sintflut verloren gegangen.“ – Als das einer erzählte, musste ich herzlich lachen, und gleich noch einmal, als ein anderer Zuhörer ernsthaft bemerkte, wie die Sintflutgeschichte richtig zu deuten sei. Dabei fiel mir ein, dass ich schon immer eine kleine Betrachtung über das Lachen schreiben wollte.
Lachen ist gesund und keinesfalls lächerlich. Freilich regen geistliche Betrachtungen selten dazu an. Gottesdienste, in denen die Gemeinde losprustet und sich vor Vergnügen auf die Schenkel klopft, basieren weniger auf christlichem Humor als auf unfreiwilliger Komik der Akteure. Ansonsten gilt von je her: In der Kirche wird nicht gelacht. Warum eigentlich nicht? Jesus sagt: „Selig seid ihr, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen!“ (Lukas 6,21) Es gibt fröhlichen Glauben, feinen Witz innerhalb mancher Bibelgeschichten und viel Humor auf dem Weg durch die Kirchengeschichte. „Humor ist der Bruder des Glaubens!“, äußerte Martin Buber und meint die Weite des Herzens, die diese „Geschwister“ benötigen. Beim Lachen geht‘s um zwei Themen: Wer augenzwinkernd zu schmunzeln vermag, findet leichter Zugang zu Dingen, die an und für sich unerfreulich erscheinen, und wer über sich selbst lachen kann, kommt der Schadenfreude anderer zuvor. Der Abstand zum eigenen Ich verdeutlicht, dass wir alle bisweilen eine komische Figur abgeben. Der englische Literat Gilbert K. Chesterton bemerkt: „Gott hat Humor, denn er hat den Menschen geschaffen.“ Ja, nicht nur das. Gott hat den Menschen davon befreit, sein Leben permanent als „außergewöhnliche Belastung“ geltend zu machen. Lachen über sich selbst und über Dinge, die das Leben aufwirft wie Mauswurfshügel im Vorgarten ist eine Kunst und dennoch leichter als vermutet. Zwei Geistliche unterhalten sich. „Ich habe neulich über eine Stunde gepredigt“, sagt der eine. Der andere fragt erstaunt: „Da musst du doch völlig fertig gewesen sein?“ „Ich nicht, aber die Gemeinde hättest du sehen sollen.“ Über Gewohnheiten und Eigenarten lachen zu können, noch dazu wenn sie schnurrig sind, schafft Verständigung untereinander. Unpassend hingegen ist, sich auf Kosten anderer zu belustigen. Das kann harmlos und braucht nicht bösartig zu sein, kann aber mitunter zu schweren Verletzungen führen. Wie fühlen wir uns, wenn uns jemand auslacht? Verunsichert. Gedemütigt. Entwürdigt. Nur über Einen können wir alle zusammen herzlich lachen. Jesus hat das so gewollt. Seit Ostern macht der Tod den dummen August. Er ist auf sich selbst hereingefallen. Wollte Sieger sein und schaut nun bedeppert aus der Leichenwäsche. Wachen vor dem Grab sollten sein Werk beschützen. Sie fallen in Tiefschlaf. Gott hat sie entschärft. Und weil der Auferweckte lebt, werden die Todeswächter vom Osterlachen geweckt. Es ist zum Kugeln wie der Stein am Grabeseingang. Ich wünsche Ihnen ein fröhliches Osterfest und ein befreiendes Lachen an jedem Lebenstag. Ihr Pfarrer Karsten Loderstädt |