| Humor |
| Geschrieben von Pfarrer Karsten Loderstädt | |
| Mittwoch, 14 Juli 2010 | |
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Man kann uns Kirchlichen bestimmt nicht nachsagen, wir hätten den Humor erfunden. Im Gegenteil: je ernster es ein Christ zu meinen meint, desto finsterer seine Gesichtszüge. Der "Ich-mach-dir-ein schlechtes-Gewissen-Blick" soll vor Lächerlichkeit schützen, vertreibt aber zugleich die Heiterkeit und vereist jede Begegnung. Doch das Lachen brauchen wir wie das tägliche Brot. Martin Luther hat schon gesagt: "Wenn ich wüsste, das der Herrgott keinen Spaß versteht, dann wollte ich nicht in den Himmel." Und der Apostel Paulus schreibt nach Thessalonich: "Seid allezeit fröhlich!" Dass mit der Freude der Dank aufkommt, wissen wir. Dass aber schon eine Bemerkung mit Augenzwinkern in einer Auseinandersetzung ungemein krampflösend wirken kann, das soll uns ermutigen. Denn mit dem Humor hat uns Gott eine der schönsten Gaben geschenkt, die wir anwenden dürfen. Abstand halten, das ist nicht nur im Straßenverkehr geboten, auch im Umgang mit Sorgen und Problemen. Ein Witz kann eine Art Abstandskontrolle sein und die Stärke des Lachens das Ergebnis der Messung. Beim Trauergespräch möchte der Pfarrer wissen: "War ihre Tante eigentlich noch geistig voll da, als sie starb?" Darauf die Antwort des Leidtragenden: "Das wissen wir noch nicht, denn die Testamentseröffnung ist erst übermorgen." Darf man sowas erzählen? Ja, unbedingt! Denn auf welche Weise bewältigen wir zum Beispiel die Trauer? Indem wir auch wieder lachen können. Lachen über das, was in unserem Leben komisch ist. Wir haben ja daran teil. "Seid allezeit fröhlich!" Wir sind sind übrigens auch zuständig für die, denen das Lachen vergangen ist. Aber Gott möchte Herzlichkeit und viele triftige Gründe, die Mundwinkel hinter den Ohren einzuhängen. Er will uns ermuntern, uns nicht so wichtig zu nehmen. Meint der Pfarrer zu seinem Vikar: "Sie halten mich wohl für völlig bescheuert?" Erwidert der: "Herr Pfarrer, ich bin erst zwei Wochen hier. Da kann ich mir noch kein Urteil erlauben." Dem Ernst des Lebens mit Abstand begegnen. Dabei den anderen achten, ihn nicht verletzen, sondern zum mitlachen einladen. Heute schenkt uns Gott wieder einen Tag, an dem wir das ausprobieren können. "Wenn ich der Kirche eine Million hinterlasse", fragte ein Reicher den Pfarrer, "könnte ich dann sicher sein, dass ich in den Himmel komme?" "Lieber Freund", antwortet der Pfarrer, "ich kann ihnen ja nichts versprechen. Aber an Ihrer Stelle würde ich es auf jeden Fall mal ausprobieren!" |