Auferstehung
Geschrieben von Pfarrer Wilfried Warnat   
Mittwoch, 31 März 2010

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner

großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung

durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. 1.Petrus 1,3

»Leben wär’ eine prima Alternative«, so nannte Maxi Wander eines ihrer wichtigsten Bücher. Sie beschreibt in diesem Buch, wie sie ihr letztes Jahr nach ihrer Krebsdiagnose gelebt hat. Es ist ein Buch voller Lebenslust, voller Schönheit und voller Intensität. Vor diesem Buch liegt dieses

schwierige Ereignis, welches einem die Füße komplett wegzieht. Jedoch hat es ihr auch die Augen geschärft für das, was im Leben wirklich wichtig ist und was zählt.

Was zählt in unserem Alltagsleben? Im letzten halben Jahr habe ich Zeit gehabt, viel darüber nachzudenken. Und auch wenn ich diese Erfahrungen niemandem wünsche, bin ich froh über diesen Schärfungsprozess, der das Leben ganz plötzlich in einem neuen Licht zeigt.

Der Bibelvers aus dem ersten Petrusbrief ist der Wochenspruch für die erste Woche nach Ostern. In diesem Vers, der auf den ersten Blick nicht leicht zu verstehen ist, finde ich zusammengefasst, was einen in der Situation des gefährdeten Lebens zu tragen vermag. Der Schreiber dankt Gott für das, was er hat. Von außen betrachtet sieht eine schwere Krankheit immer aus wie eine Anfrage an den Glauben. Wenn man jedoch betroffen ist, stellt sich das

ganz anders dar. Die Nähe zu Gott ist das, was einen auch dann noch tragen kann, wenn sonst der Boden unter den Füßen vergangen ist.

Gott hat uns wiedergeboren. Das ist das Kernstück des Verses. Es geht also nicht um ein ins Unendliche verlängerte Leben. Das Wort »Wiedergeburt« macht deutlich, dass das Kontinuum durchbrochen ist. Ein »Vorwärts – es wird schon weitergehen« ist das nicht. Und auch das buchstabiert man in einer schwierigen Situation durch. Es wird nicht einfach so weitergehen können, wie es vorher war. Alles ist anders geworden. Man sieht plötzlich viele Dinge, die bisher scheinbar zum Kern des Lebens zählten und die nun gänzlich zweitrangig geworden sind.

Wir sind wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung. Die Hoffnung stirbt zuletzt, so sagt man normalerweise. Doch eine lebendige Hoffnung ist etwas anderes, als eine Ausfucht aus dem Unerträglichen. Die lebendige Hoffnung vermag eine Blume inmitten der Wüste zu erken-

nen. Sie macht das Leben lebenswert, weil es ein Ziel gibt, welches wir selbst nicht er-

reichen müssen, sondern wo wir empfangen werden. Dieses Ziel ist etwas wie Heimat. Es ist ein Ort des Friedens. Dass wir diese Heimat erreichen, das vollbringen wir nicht selbst, sondern das verbürgt uns Jesus, der selber am Kreuz starb, der aber auferstand von den Toten und der uns damit die Gewissheit gibt, dass auch wir auferstehen werden.

Leben wär’ eine prima Alternative. Eine Alternative wozu? Zum Sterben. Weil Jesus von den Toten auferstanden ist, brauchen wir nicht länger auf den Tod fxiert bleiben, sondern können diese Alternative im Leben dankbar und im Lob Gottes annehmen. Ich wünsche uns allen eine gesegnete Osterzeit.

Ihr Pfarrer Warnat