| Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt |
| Geschrieben von Pfarrer Karsten Loderstädt | |
| Mittwoch, 31 März 2010 | |
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Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. (Joh 15,13)
Liebe Schwestern und Brüder, viele schauen weg, einer greift ein. Geht dazwischen. Versucht den Misshandelten im Dreck zu schützen. Er macht den Schlägern keine Schwierigkeiten und büßt seine Zivilcourage schwer verletzt. Aber sein Eingreifen rettet schließlich dem anderen das Leben. Da ist die Frau, die sich vor ihren Mann stellt. Sie deckt seine Alkoholsucht. Sie müht sich die Schande vor Nachbarn und Arbeitskollegen zu verbergen. Alle Hilfe, die sie ihm anbietet, lehnt er ab. Stattdessen quält er sie mit sinnlosen Streitigkeiten. Sie läuft nicht fort. Bleibt bei ihm. Und wenn´s mal wieder ganz schlimm war, sitzt sie am Bett und wacht. Bis zu ihrer Einlieferung ins Krankenhaus, kaputt und erschöpft hat sie alles gegeben, ihren Mann zu retten. Da wird ein Vater zur Aussprache vorgeladen. Sein Sohn hat geklaut. Der Sicherheitsdienst des Kaufhauses stellte ihn mit CD ´s im Rucksack. Nun steht er dem Tribunal gegenüber: Mitarbeiter des Kaufhauses, Polizei, zwei Verkäuferinnen. Der Vater sieht ihn hocken, auf dem Stuhl zusammengesunken, ein Häuflein Elend, der Untat frisch überführt. Es hagelt Anklagen und Vorhaltungen. Zu Recht. Schlechte Luft im Raum. Vor Peinlichkeit und Scham. Er nimmt seinen Sohn in den Arm und sagt: "Wir klären das unter vier Augen." Und dann bittet er von einer Anzeige Abstand zu nehmen und zahlt den entstandenen Schaden. Eine beträchtliche Summe. Der Vater verdient nicht viel. Aber das behält er für sich. Warum lässt sich ein Fremder für einen Fremden verprügeln? Weshalb erduldet eine Frau die krankhaften Eskapaden ihres Ehemannes? Wieso legt der Vater seinen Sohn nicht übers Knie vor versammelter Mannschaft? Sie handeln alle aus Liebe. Von der Liebe getrieben, scheint manches absolut unvernünftig. Mit Abstand betrachtet, würden wir den dreien, eine Menge Ratschläge geben können. Wir wissen, was gerecht und gut sein soll. Aber unser Abstand bringt uns um die Liebe. Das Herz muss ja nicht sprechen. Wir sagen: Hingabe kann doch keine Selbstzerstörung sein. Richtig. Und dennoch: Liebe, die das Größte ist, sprengt Grenzen! Hoffentlich kennen wir das aus eigenem Erleben! Die Dinge des Lebens lassen sich nicht nur rational bewältigen. Sie fordern uns emotional. Und einzig über die Emotion können wir erahnen, was Jesus durch den Weg zum Kreuz gegeben hat. ER wird dort sterben unter grausamsten Schmerzen. Wofür? Gab´s keine andere Lösung? Für unsere Lieblosigkeit stirbt er. Das allein ist die Lösung. Nämlich, dass wir gelöst, dass wir erlöst werden von unserer falschen Ichbezogenheit. Die drei, der Passant, die Ehefrau und der Vater haben mit ihrem Verhalten von sich weggesehen. Nicht, um ein humanitäres Hilfsprogramm zu starten, sondern aus der Selbstverständlichkeit der Liebe. Das ist das Unfassbare der Liebe Gottes: Er gibt sich uns in Jesus Christus ganz. Damit wir leben können. Und unsererseits lieben. Manchmal unvernünftig, schmerzhaft, dumm - siehe oben. Aber aus dem Herzen. Ihr Pfarrer Karsten Loderstädt |